Unbenannt

Vier Kerzen brannten am Adventskranz. So still, dass man hörte, wie die Kerzen zu reden begannen.

Die erste Kerze seufzte und sagte: “Ich heiße Frieden. Mein Licht leuchtet, aber die Menschen halten keinen Frieden. “

Ihr Licht wurde immer kleiner und verlosch schließlich ganz.

Die zweite Kerze flackerte und sagte: “Ich heiße Glauben. Aber ich bin überflüssig. Die Menschen wollen von Gott nichts wissen. Es hat keinen Sinn mehr, dass ich brenne.”

Ein Luftzug wehte durch den Raum, und die zweite Kerze war aus.

Leise und traurig meldete sich nun die dritte Kerze zu Wort. “Ich heiße Liebe. Ich habe keine Kraft mehr zu brennen. Die Menschen stellen mich an die Seite. Sie sehen nur sich selbst und nicht die anderen, die sie lieb haben sollen. “

Und mit einem letzten Aufflackern war auch dieses Licht ausgelöscht.

Da kam ein Kind in das Zimmer. Es schaute die Kerzen an und sagte: “Aber, aber, Ihr sollt doch brennen und nicht aus sein!” Und fast fing es an zu weinen.

Da meldete sich auch die vierte Kerze zu Wort. Sie sagte: “Hab keine Angst! Solange ich brenne, können wir auch die anderen Kerzen wieder anzünden. Ich heiße Hoffnung.”

Mit einem Streichholz nahm das Kind Licht von dieser Kerze und zündete die anderen Lichter wieder an.

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„Die Hoffnung stirbt zuletzt“ sagt ein treffendes Sprichwort, das wir oft und gerne gebrauchen, wenn Menschen trotz widriger Lebensumstände ihre Träume und Hoffnungen nicht aufgeben. Egal, wie schlecht die Lage ist – wir bleiben bis zum bitteren Ende zuversichtlich, dass sich irgendwann die Situation bessern wird. Das wusste schon der römische Philosoph Marcus Tullius Cicero (106-43 a.C.), als er in seinen »Epistulæ ad Atticum« (Briefe an Atticus) schrieb: „Dum spiro, spero“ – „Solange ich atme, hoffe ich“.

Hoffnung ist in jeglicher Lebenssituation ein ganz wichtiger Begleiter – ohne Hoffnung geben wir auf, wir geben uns auf, die Umstände, in denen wir uns gerade befinden – nur dann wird jedes Handeln sinnlos. Mit Hoffnung und Zuversicht bekommt unser Handeln einen Sinn. Daraus entstehen dann Motive für unser Tun und die vielbesprochene von innen herauskommende Motivation.

In diesem Sinne wünsche ich euch von ganzem Herzen friedvolle, harmonische Weihnachten!

Alles Liebe, Heike