Das Leben als spannende Flussfahrt

… oder stagniert es im stehenden Gewässer?

Lass dich von folgender Geschichte inspirieren (gelesen bei Hans-Peter Zimmermanns Powerletter):

Ein junger Mann steht am Ufer eines Flusses und spürt den unbändigen Drang, diesen zu erkunden. Er baut sich ein Floß und fährt los, voller Vorfreude auf sein Abenteuer. Nach einer Weile sieht er am Ufer eine Frau stehen, die ihn fasziniert. Er steuert sein Floß ans Ufer und wechselt mit ihr ein paar Worte. Die beiden sind sich auf Anhieb sympathisch, fühlen sich seelenverwandt, und es gibt keinen Grund, warum man nicht gemeinsam ein Stück dieser Flussfahrt genießen sollte.

In der Abenddämmerung legen sie an einer Flussbiegung an; hier wollen sie übernachten. Es ist eine fruchtbare Gegend. Es gibt Nüsse, Pilze und Beeren in Hülle und Fülle, und der Mann fängt einen großen Fisch fürs Abendbrot. Die beiden sind im siebten Himmel.

Am nächsten Morgen schauen sie sich an und sagen fast gleichzeitig: „Wollen wir nicht noch eine Nacht bleiben?“
„Klar, wir haben ja keine Eile. Und schließlich wollen wir genießen.“ Die beiden bleiben noch eine Nacht und noch eine, und nach einer Woche sagt der Mann: „Also, wenn wir noch bleiben, baue ich uns ein Dach für später, wenn es mal regnet, und eine Latrine wäre auch praktisch.“
Die beiden genießen ihr Leben an dieser Flussbiegung in vollen Zügen. Wochen vergehen, Monate, Jahre.

Eines Abends sieht die Frau den Mann nachdenklich am Ufer stehen und in die untergehende Sonne blicken.
„Was denkst du?“ fragt sie.
„Ich weiß nicht,“ sagt der Mann, „eigentlich wollten wir doch den Fluss erkunden. Mich würde schon interessieren, was da weiter unten ist, und irgendwann möchte ich das Meer sehen. Ich weiß, der Fluss führt uns dorthin.“
„Ja,“ sagt die Frau, „aber wir haben ja keine Eile. Es ist doch schön hier. Oder gefällt’s dir etwa nicht?“
„Doch, schon, aber…“
„Aber?“
„Ich erwarte mehr vom Leben.“
„Genüge ich dir nicht mehr, Schatz?“
„Doch, natürlich. Darum geht es doch nicht.“
„Ich habe gehört, weiter unten gibt es Stromschnellen und enge Schluchten. Da müssten wir das Floß wahrscheinlich sogar ein Stück weit tragen. Und was ist, wenn es dort nicht so viel zu essen gibt wie hier? Was ist, wenn das hier der paradiesischste Ort der ganzen Flusslandschaft ist?“
„Ja, hast ja recht. Aber irgendwann möchte ich trotzdem weiterziehen.“

Drei Sommer später, das Paar hat in der Zwischenzeit zwei Kinder zur Welt gebracht, steht die Frau eines Abends am Ufer und träumt.
Der Mann nähert sich von hinten, und da er weiß, was die Frau denkt, sagt er: „Jetzt können wir nicht weg. Die Kinder brauchen Nahrung. Und wer weiß, wie es weiter unten aussieht.“
„Ich weiß, Schatz,“ sagt sie, „ich weiß,“ und streichelt seinen Arm.

Und so vergehen die Jahre. Die Kinder, es sind inzwischen vier, sind groß geworden. Zwei haben sich ganz in der Nähe eigene Zelte und Latrinen eingerichtet, und zwei haben sich jeweils ein Floß gebaut und sind losgezogen in die weite Welt. Die beiden Alten stehen oft bei Sonnenuntergang am Ufer und fragen sich, wie der Fluss wohl weiter unten aussieht. Doch sie wissen, jetzt sind sie zu schwach, um die Stromschnellen zu bewältigen und ihr Floß durch die Engpässe zu tragen.
„Schade,“ sagen sie oft zueinander. „Wirklich schade. Eigentlich hätte es doch eine abenteuerliche Flussfahrt werden sollen.“

Welche Gedanken und Gefühle steigen in dir auf, wenn du diese Geschichte Revue passieren lässt? Fühlst du dich ein bisschen wie der Mann und die Frau in dieser Geschichte? Fragst du dich manchmal, wie du das Ruder noch herumreißen kannst? Beschleicht dich manchmal das Gefühl: Da geht noch mehr?

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By |Februar 7th, 2020|

Warum eigentlich …. meditieren?

Meditation als Schlüssel der Freiheit

„Meditation ist die Bereitschaft, den Willen still werden zu lassen und das Licht zu sehen, das sich erst bei still gewordenem Willen zeigt. Sie ist die Schule der Wahrnehmung, das Kommenlassen der Wirklichkeit.“

(Carl Friedrich von Weizsäcker)
Gedanken von Sogyal Rinpoche:

Den Geist zähmen – Loslassen lernen

Alle unsere Probleme kommen vom Festhalten. Meditation ist das Mittel, unsere Tendenz zum Festhalten wieder zu verlernen. Wenn wir loslassen, entsteht ein natürliches Gefühl von Weite. Das ist Meditation. Loslassen und Festhalten entsteht beides im Geist, in diesem Geist, der im nicht-achtsamen Zustand so unterhaltsam, schlau und raffiniert trügerisch ist. Meditation ist der Pfad der Einfachheit, der Entfaltung und der Gewöhnung. Man tritt dem Geist direkt gegenüber, um den Geist zu zähmen.

Die Grundlage der Meditationspraxis ist Entspannung. Zuerst ist es wichtig, es sich bequem zu machen, Gedanken und Gefühle zur Ruhe kommen zu lassen. Es gibt nichts zu leisten oder zu erreichen, also lass einfach los. Lass jede Art von Feierlichkeit fallen, und sogar die Vorstellung, dass du meditierst. Lass deinen Körper wie er ist, und den Atem ganz natürlich kommen und gehen. Im Geist entstehende Gedanken solltest du weder unterdrücken noch verfolgen, sondern sie einfach sein lassen, ohne von ihnen verführt oder abgelenkt zu werden. Versuche nicht, sie zu manipulieren. Wenn du träumst oder denkst,… dann träume oder denke einfach. Wenn du die Gedanken nicht weiter nährst, werden sie einfach von selbst auslaufen.

Nach und nach werden die Dinge zur Ruhe kommen und ganz natürlich ihren Platz finden. Genauso, als wenn man eine Handvoll Reis auf eine glatte Oberfläche fallen lässt. Jedes Korn kommt von selbst zur Ruhe.

Sei entspannt und mit dem Atem

Ist erst einmal eine gewisse Ruhe erreicht, halte deinen Rücken gerade und sei wach. Dann verbleibe so und mache entspannt weiter.

Wenn es dir schwer fällt, einfach loszulassen und so zu verweilen, und du etwas zu tun brauchst, dann achte auf deinen Atem. Kannst du die Aktivität nicht völlig aufgeben, dann ist dies ihre geschickte Anwendung, um mit dir in Einklang zu sein.  Jeder Atemzug ist Leben: einfach, kraftvoll, alltäglich und frei. Wenn du ausatmest und nicht wieder einatmest, bist du tot.

Sei dir einfach des Atems bewusst, wie er kommt und geht. Du solltest nur ganz leicht achtsam und aufmerksam sein. Fühle mit deinem Atem, greife nicht danach und konzentriere dich nicht zu stark darauf.

Sei mit dem Atem, fließe mit dem Atem, als wärst du wie Wolken, die über den Himmel ziehen, oder wie Gras, das sich im Winde wiegt. Du geschiehst einfach. Nachdem du eine Zeit lang auf deinen Atem geachtet hat, sind der Atem, der Atmende und das Atmen eins.

Wenn du dir deines Atems nicht mehr bewusst bist, besteht die Gefahr, im Jetzt des Atmens steckenzubleiben, unachtsam zu werden. Sei wach und lass los! Mit jedem Atemzug erzeugen wir Neurosen, Hemmungen und Karma. Also befreie dich mit jedem Atemzug, symbolisch, verheißungsvoll und tatsächlich. Sei das Ausatmen, ignoriere das Einatmen. Jeder Atemzug löst sich auf in Raum, So-heit, Buddha-Natur oder Wahrheit. Dann, inmitten dieser Weite, fast ehrfürchtig: Sei einfach.

Wissenschaftliche Untersuchungen der Meditation

Obwohl Meditierende den Nutzen der Meditation bereits seit Tausenden von Jahren kennen, beginnt die wissenschaftliche Forschung erst jetzt zu entdecken, dass Meditation auf der physiologischen Ebene eine positive Wirkung auf uns ausübt.Vor kurzem hat man herausgefunden, dass das Gehirn die Fähigkeit besitzt, seine Struktur und seine Funktion zu ändern – es kann die Tätigkeit von Synapsen, die oft genutzt werden, stärken und ausweiten, und die Tätigkeit von Synapsen, die selten zum Einsatz kommen, schwächen und vermindern. Diese Flexibilität des Gehirns wird „Neuroplastizität“ genannt.

Neuroplastizität wurde bereits durch frühere Untersuchungen an Berufsmusikern dokumentiert. Es wurden dabei gewisse Veränderungen im Gehirn in Relation zu oft wiederholten Fingerbewegungen nachgewiesen.

In jüngerer Zeit fanden an Universitäten in den USA ähnliche Tests mit erfahrenen Meditierenden statt, die bis zu 40.000 Stunden Meditationserfahrung besaßen. Diese Tests umfassten verschiedene Arten von Meditationspraktiken und führten zu einer Reihe von bemerkenswerten Ergebnissen. So zeigte sich z.B.:

•  eine hohe Aktivität in den Bereichen des Gehirns, die zur Bildung positiver Emotionen wie Glück, Begeisterung, Freude und Selbstkontrolle beitragen,

•  eine verminderte Aktivität in den Bereichen des Gehirns, die mit negativen Emotionen wie Depression, Selbstzentriertheit und einem Mangel an Glück oder Zufriedenheit verbunden sind,

•  eine Beruhigung des Gehirnbereichs, der als Auslöser für Angst und Wut fungiert,

•  die Fähigkeit, einen Zustand inneren Friedens selbst unter extrem beunruhigenden Umständen zu erreichen, und

•  eine ungewöhnlich hohe Kapazität für Empathie und Einfühlungsvermögen in die Gefühle anderer.

Interessant ist, dass bei Praktizierenden, die über Mitgefühl „ohne Bezugspunkt, alles durchdringend“ meditierten (1), jene Bereiche des Gehirns aktiviert wurden, die für geplante Handlungen zuständig sind – als wären die Praktizierenden bereit, sich sofort aufzumachen, um anderen, die in Not sind, zu helfen.

Diese Entdeckungen scheinen zu bekräftigen, dass das Geistestraining ausgesprochen starke Auswirkungen auf die Gehirnfunktion haben kann. Offenbar können emotionale Tendenzen verändert und zerstörerische Tendenzen abgeschwächt werden.

[1] „Der Zustand von bedingungsloser liebender Güte und Mitgefühl wird als ‚uneingeschränkte Bereitwilligkeit und Einsatzbereitschaft, Wesen zu helfen’ beschrieben. Diese Paxis erfordert keine Konzentration auf bestimmte Objekte, Erinnerungen oder Vorstellungen, auch wenn sich Praktizierende in anderen Meditationen, die sie in ihrer langfristigen Ausbildung erlernen, auf bestimmte Personen oder Gruppen von Lebewesen fokussieren. Da man ‚in einem Zustand ruht, in dem Güte und Mitgefühl den Geist erfüllen’, spricht man von ‚reinem Mitgefühl’ oder ‚Mitgefühl ohne Bezugspunkt’ (mik me nying je auf Tibetisch).“

Quelle: http://www.rigpa.org/ndex.php?option=com_content&view=article&id=35%3Ascientific-research-on-meditation&catid=63%3Aessential-teachings&Itemid=154

 

By |Oktober 17th, 2019|

Der 164. Podcast „Charisma & Persönlichkeit“ ist online

Mit Augenfunkeln mehr Ausstrahlung

Im Interview mit Julian Kramer – Veränderungs- und Hypnosecoach mit dem Augenfunkeln-Prinzip
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By |September 12th, 2018|