Eine zauberhafte Geschichte

Mein Inneres Kind

Neugierig und gespannt wie ein schillernder Regenbogen fragte mich Inga: “Wie viele Besucher waren im Schreibcafé?“

Ich überlegte nicht lange, und gab ihr eine ehrliche Antwort. Wir waren insgesamt zehn schreibfreudige im Bürgertreff.

Bert war etwas überrascht, und meinte einwendend: „Ich hab nur fünf Leute an unserem Tisch gesehen.“ Da mußte ich dem Geschichtenbastler widersprechen: „Bert, wir haben doch alle unser inneres Kind dabei. Meistens ist es versteckt und unsichtbar. Und doch meldet es sich immer wieder mal zu Wort. Beim ersten Treffen im Schreibcafé haben wir unserem inneren Kind mehr Aufmerksamkeit und auch mehr Achtsamkeit versprochen.“

Wir wollen unseren kleinen Freund – unsere kleine Freundin nun mit einer netten Geschichte würdigen.

Mein inneres Kind sagte neulich zu mir: „Wir kennen uns nun schon beinahe 65 Jahre und sind uns immer noch fremd.“

Ungläubig schaue ich in den Spiegel und frage mich: Bin ich wirklich schon so alt?

Im Spiegel der Erinnerung schaue ich zurück. Ich sehe mein inneres Kind. Versteckt im Schmollwinkel hinter dem Herzen. Leise flüstert mir mein kleines ich ins Ohr: „Ich fühle mich eingeengt, bekomm‘ keine Luft zum atmen. Ich will frei sein – frei wie im Universum.“

Nun beginnt ein ernsthafter Dialog zwischen mir und meinem inneren Kind. „Über dreißig Jahre war ich unterwegs auf der Milchstrasse – in der Molkerei. Die Freiheit im Universum hab ich mir anders vorgestellt. Ich begegnete vielen Fruchtzwergen. Die hatten keine Zeit zum Spielen. Ich bekam kein Elterngeld für die Innere-Kind-Erziehung. Gefühle wurden im Milchkaffee ertränkt.“

Das Fenster zur Vergangenheit ist nun geschlossen. Mein inneres Kind und ich haben uns in der Gegenwart gefunden. Gemeinsam blicken wir in die Zukunft. Statt Milchkaffee gibt es jetzt das Schreibcafé. Hier können wir spielen. Mit Gedanken, mit Gefühlen. Nach Herzenslust schreiben und gerne auch bleiben.

(Autor: Georg Berghammer von den Rosenheimer Autoren)